Diplom - Psychologin Monika Borek Psychotherapie in Hamburg und Hitzacker
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    Gedichte und mehr.....


    Ein Gedicht von Erich Fried

    "Sein Unglück
    ausatmen können

    tief ausatmen
    so dass man wieder
    einatmen kann

    Und vielleicht auch sein Unglück
    sagen können
    in Worten
    in wirklichen Worten
    die zusammenhängen
    und Sinn haben
    und die man selbst noch
    verstehen kann
    und die vielleicht sogar
    irgendwer sonst versteht
    oder verstehen könnte

    Und weinen können

    Das wäre schon
    fast wieder
    Glück"

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    Ein Gedicht von Rainer Maria Rilke

    "Ich möchte Dich inständig bitten,
    so sehr ich kann,
    all dem gegenüber,
    was in Deinem Herzen ungelöst Ist,
    geduldig zu sein, und zu versuchen,
    die Fragen an sich zu lieben,
    wie verschlossene Räume,
    wie Bücher, die in einer sehr
    fremden Sprache geschrieben sind.
    Suche jetzt nicht nach den Antworten,
    die Dir nicht gegeben werden können,
    weil Du noch nicht fähig wärst, sie zu leben.
    Und es geht darum, alles zu leben.
    Jetzt lebe die Fragen!
    Vielleicht wirst Du allmählich,
    ohne es zu bemerken,
    eines fernen Tages
    in die Antworten hineinwachsen."

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    Ein Gedicht von Jorge Luis Borges

    "Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte,
    im nächsten Leben würde ich versuchen,
    mehr Fehler zu machen.
    Ich würde nicht mehr so perfekt sein wollen,
    ich würde mich mehr entspannen.
    Ich wäre ein bisschen verrückter,
    als ich es gewesen bin,
    ich würde viel weniger Dinge so ernst nehmen.
    Ich würde nicht so gesund leben.
    Ich würde mehr riskieren, würde mehr reisen,
    Sonnenuntergänge betrachten, mehr bergsteigen,
    mehr in Flüssen schwimmen.
    Ich war einer dieser klugen Menschen,
    die jede Minute ihres Lebens fruchtbar verbrachten;
    freilich hatte ich auch Momente
    der Freude, aber wenn ich noch einmal anfangen könnte,
    würde ich versuchen, nur noch gute Augenblicke zu haben.
    Falls du es noch nicht weißt, aus diesen
    besteht nämlich das Leben;
    nur aus Augenblicken; vergiss nicht den jetzigen.
    Wenn ich noch einmal leben könnte,
    würde ich von Frühlingsbeginn an
    bis in den Spätherbst hinein barfuß gehen.
    Und ich würde mehr mit Kindern spielen,
    wenn ich das Leben noch vor mir hätte.
    Aber sehen sie ... ich bin 85 Jahre alt
    und ich weiß, dass
    ich bald sterben werde."

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    Von den Kindern

    "Deine Kinder sind nicht deine Kinder.
    Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht
    des Lebens nach sich selbst.
    Sie kommen durch dich, aber nicht von dir,
    und obwohl sie mit dir sind, gehören sie dir doch nicht.

    Du kannst ihnen deine Liebe geben,
    aber nicht deine Gedanken,
    denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
    Du kannst ihrem Körper ein Heim geben,
    aber nicht ihrer Seele,
    denn ihre Seele wohnt im Haus von morgen,
    das du nicht besuchen kannst,
    nicht einmal in deinen Träumen.

    Du kannst versuchen, ihnen gleich zu sein,
    aber suche nicht, sie dir gleich zu machen.
    Denn das Leben geht nicht rückwärts
    und verweilt nicht beim Gestern.

    Du bist der Bogen, von dem deine Kinder
    als lebende Pfeile ausgeschickt werden.

    Lass deine Bogenrundung in der Hand des Schuetzen
    Freude bedeuten."

    Khalil Gibran, arabischer Dichter (1883-1931)

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    Was sind die wichtigen Dinge in Ihrem Leben?

    Eines Tages hält ein Zeitmanagementexperte einen Vortrag vor einer Gruppe Studenten, die Wirtschaft studieren. Er möchte ihnen einen wichtigen Punkt vermitteln mit Hilfe einer Vorstellung, die sie nicht vergessen sollen. Als er vor der Gruppe dieser qualifizierten angehenden Wirtschaftsbosse steht, sagt er: "Okay, Zeit für ein Rätsel".
    Er nimmt einen leeren 5-Liter Wasserkrug mit einer sehr großen Öffnung und stellt ihn auf den Tisch vor sich. Dann legt er ca. zwölf faustgroße Steine vorsichtig einzeln in den Wasserkrug. Als er den Wasserkrug mit den Steinen bis oben gefüllt hat und kein Platz mehr für einen weiteren Stein ist, fragt er, ob der Krug jetzt voll ist.
    Alle sagen: "Ja".
    Er fragt: "Wirklich?" Er greift unter den Tisch und holt einen Eimer mit Kieselsteinen hervor. Einige hiervon kippt er in den Wasserkrug und schüttelt diesen, so dass sich die Kieselsteine in die Lücken zwischen den großen Steinen setzen. Er fragt die Gruppe erneut: "Ist der Krug nun voll?". Jetzt hat die Klasse ihn verstanden und einer antwortet: "Wahrscheinlich nicht!".
    "Gut", antwortet er. Er greift wieder unter den Tisch und bringt einen Eimer voller Sand hervor. Er schüttet den Sand in den Krug und wiederum sucht sich der Sand den Weg in die Lücken zwischen den großen Steinen und den Kieselsteinen. Anschließend fragt er: "Ist der Krug jetzt voll?".
    "Nein", ruft die Klasse.
    Nochmals sagt er: "Gut!". Dann nimmt er einen mit Wasser gefüllten Krug und gießt das Wasser in den anderen Krug bis zum Rand. Nun schaut er die Klasse an und fragt sie: "Was ist der Sinn meiner Vorstellung?".
    Ein Angeber hebt seine Hand und sagt: "Es bedeutet, dass egal wie voll auch dein Terminkalender ist, wenn du es wirklich versuchst, kannst du noch einen Termin dazwischen schieben".
    "Nein", antwortet der Dozent, "das ist nicht der Punkt. Die Moral dieser Vorstellung ist: Wenn du nicht zuerst mit den großen Steinen den Krug füllst, kannst du sie später nicht mehr hineinsetzen.

    Was sind die großen Steine in eurem Leben ? Eure Kinder, Personen, die ihr liebt, eure Ausbildung, eure Träume, würdige Anlässe, Lehren und Führen von anderen, Dinge zu tun, die ihr liebt, Zeit für euch selbst, eure Gesundheit, eure Lebenspartner ?
    Denkt immer daran, die großen Steine z u e r s t in euer Leben zu bringen, sonst bekommt ihr sie nicht alle unter. Wenn ihr zuerst mit den unwichtigen Dingen beginnt, dann füllt ihr euer Leben mit kleinen Dingen voll und beschäftigt euch mit Sachen, die keinen Wert haben und ihr werdet nie die wertvolle Zeit für große und wichtige Dinge haben."

    (Verfasser: nicht bekannt)

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    Autobiographie in fünf Kapiteln

    "Ich gehe die Straße entlang.
    Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
    Ich falle hinein.
    Ich bin verloren ... Ich bin ohne Hoffnung.
    Es dauert endlos, wieder herauszukommen.

    Ich gehe dieselbe Straße entlang.
    Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
    Ich tue so, als sähe ich es nicht.
    Ich falle wieder hinein.
    Ich kann nicht glauben, schon wieder am gleichen Ort zu sein.
    Aber es ist nicht meine Schuld.
    Immer noch dauert es sehr lange, herauszukommen.

    Ich gehe dieselbe Straße entlang.
    Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
    Ich sehe es.
    Ich falle immer noch hinein ... aus Gewohnheit.
    Meine Augen sind offen.
    Ich weiß, wo ich bin.
    Es ist meine eigene Schuld.
    Ich komme sofort heraus.

    Ich gehe dieselbe Straße entlang.
    Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
    Ich gehe darum herum.

    Ich gehe eine andere Straße."

    Von Hilde Dormin